Am vorgestrigen Dienstag traf der Wetzlarer CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Jürgen Irmer zu einem Gespräch mit dem Leiter der Stasiunterlagenbehörde Roland Jahn in der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin zusammen. Dort lagert etwa die Hälfte der über 100 Kilometer Akten. Das schiere Ausmaß der Bespitzelung in der DDR machte selbst Irmer, der sich schon lange mit dem Thema auseinandersetzt, sprachlos. Ein Aktenlagerraum von der Größe ein Turnhalle bevorratete gerade einmal sieben Kilometer Dokumente von und über sogenannte Inoffizielle Mitarbeiter - IM´s. Dabei wurden in der Wendezeit viele der wichtigsten Akten in den Kreisdienststellen der Stasi vernichtet oder geschredderte Papiere müssen mühsam digital oder per Hand zusammengesetzt werden. Berüchtigt sind auch die Karteikartensysteme der Stasi. Unterschiedlichste Suchmöglichkeiten zu Delinquenten gab es. Es gab nichts, was die Stasi nicht zu wissen schien. Allein am Beispiel der Postleitzahl von Wetzlar wurde deutlich, dass selbst von und nach dort unzählige Briefe geöffnet, kopiert oder zensiert wurden.

Nicht nur der Feind im "kapitalistischen Westen" machte der SED und Stasi Sorgen - vielmehr fürchteten sie sich noch mehr vor ihrer eigenen Bevölkerung. Bei gerade einmal 17 Millionen Bürgern arbeiteten über 90.000 Menschen hauptamtlich für die Stasi und noch einmal doppelt so viele als sog. IM´s.

Auch heute noch sitzen ehemalige SED-Größen im Deutschen Bundestag wie beispielsweise Gregor Gysi. Der Immunitätsausschuss des Deutschen Bundestages hat festgestellt, dass Gregor Gysi sich habe "in die Strategien des MfS einbinden lassen, selbst an der operativen Bearbeitung von Oppositionellen teilgenommen und wichtige Informationen an das MfS weitergegeben. Auf diese Erkenntnisse war der Staatssicherheitsdienst zur Vorbereitung seiner Zersetzungsstrategien dringend angewiesen. Das Ziel dieser Tätigkeit unter Einbindung von Dr. Gysi war die möglichst wirksame Unterdrückung der demokratischen Opposition in der DDR". Was muss das wohl für die Opfer für ein Gefühl sein, dass derartige Personen heute im deutschen Parlament sitzen, Recht gestalten und dafür Diäten beziehen?

Für Roland Jahn ist daher das Kapitel Stasi noch lange nicht abgeschlossen - im Gegenteil. Er ist froh, dass die Akten nach der Wende nicht vernichtet wurden, sondern historisch-wissenschaftlich geordnet, aufgearbeitet und erforscht werden. Andernfalls hätte die Stasi und ihre Täter ein letztes Mal über die ausgespitzelten Bürger triumphiert. Die Stasi als Schwert und Schild der Einheitspartei SED war Garant für den Machterhalt der kommunistischen Verbrecherclique. Daher darf es keinen Schlussstrich unter die DDR-Aufarbeitung geben, sondern muss immer daran erinnert werden, dass Sozialismus ohne Unterdrücken nicht funktioniert und es daher immer ein per se menschenverachtendes System ist. Wie viele Praxistests wie in der DDR, in Kuba, in Venezuela, in der Sowjetunion oder sonstwo brauchen unsere Linken im Bundestag noch, um das zu begreifen?

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