"Die gestern zwischen Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten verabschiedeten Maßnahmen ziehen die Konsequenz aus weiterhin hohen und zudem aktuell schwer einzuschätzenden Infektionszahlen. Bund und Länder kommen damit ihrer Verpflichtung zum Schutz der Bevölkerung nach.

Dennoch müssen wir die Interessen aller Generationen in der Balance halten. Es zeichnet unsere Gesellschaft aus, dass sie die Alten, Kranken und Schwachen besonders schützt und mit Vorrang impft. Das ist richtig und muss auch noch konsequenter geschehen - durch den Einsatz von systematischen Tests, ggf. mit Hilfe von Ehrenamtlern, durch sichere Masken und möglichst schnelle Impfungen in Altenpflege und Heimen. Da ein Großteil der Corona-Toten aus Alten- und Pflegeheimen stammt, ist es gut, dass die Schutzmaßnahmen hier noch verstärkt werden.

Demgegenüber mögen Schulen am allgemeinen Infektionsgeschehen partizipieren, sie treiben es aber nach jetzigem Stand der Erkenntnisse nicht. Schulen sind keine Hotspots; in Hessen fehlten auch im Dezember nicht einmal 2% der Schüler und Lehrkräfte aus Infektionsschutzgründen. Wir müssen den Unterrichtsbetrieb so weit wie irgend möglich aufrechterhalten. Schon bald werden die meisten Kinder und Jugendlichen ein Jahr lang keinen kompletten regulären Unterricht gehabt haben, von wichtigen Zusatzangeboten und sozialen Aktivitäten in Sport, Musik, Ehrenamt etc. ganz zu schweigen. Das sind - gemessen an der Dauer eines Schullebens und der Entwicklungsdynamik bei Heranwachsenden - gravierende Einbußen, die nur schwer aufzuholen sind. Hinzu kommt: Digitalunterricht ersetzt Präsenzunterricht nicht, auch wenn die Voraussetzungen bei Infrastruktur, Ausstattung und Unterrichtsorganisation massiv verbessert wurden. Es fehlt die soziale Komponente, der unmittelbare Austausch, die direkte Wirkung der Lehrerpersönlichkeit.

Wir brauchen darum noch verstärkte Anstrengungen der Länder und Schulträger für pragmatische Lösungen an Schulen, z.B. den systematischen Einsatz von Schnelltests, FFP2-Maskenpflicht auch im Unterricht, klare Vorgaben für die rasche Beschaffung von Luftfiltern, wo möglich auch ein Ausweichen auf größere Räumlichkeiten. Und wir brauchen eine klare Kommunikation, dass die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts bzw. rasche Rückkehr in die Schule nur möglich ist, wenn außerhalb der Schule die Lockdown-Regeln mit höchster Disziplin eingehalten werden. Hier sind die Familien gefordert. Und die Schulen brauchen Konzepte, wie der fehlende Lehrstoff nachgeholt werden kann.

Kinder und Jugendliche haben ein Anrecht auf gute Bildung. Nicht nur in Kitas und Grundschulen, sondern auch und besonders im Bereich der weiterführenden Schulen und beruflichen Ausbildung. Wenn wir hier nicht sehr klare Prioritäten setzen, gefährden wir das Wohl dieser Schülergeneration."

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Bettina Wiesmann MdB

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