Bertelsmann-Studie schlägt Schließung von 800 Krankenhäusern vor
Wie interessengeleitet ist diese Studie wirklich?

CDU Lahn-Dill klar für Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Eine aktuelle, von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie zum Thema Krankenhäuser in Deutschland, ausgeführt vom „Berliner Institut für Gesundheit und Sozialforschung (IGES)“, hat zum Ergebnis, dass von den rund 1400 derzeitigen Kliniken rund 800 geschlossen werden sollen. Begründung: Damit würde die Qualität der Patientenversorgung verbessert sowie Engpässe beim Ärzte- und Pflegepersonal gemildert. Wie die „Experten“ mitteilten, verfügten kleinere Krankenhäuser oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration auf deutlich unter 600 Kliniken vermeiden.

Kritik von – fast – allen Seiten

Kaum war das Ergebnis der Studie öffentlich, hagelte es Kritik von allen Seiten. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärte, dass es in den ländlichen Regionen keine Spielräume für Schließungen gebe. Nicht jedes Krankenhaus müsse eine Spezialisierung aufweisen. Es gehe um die medizinische Grundversorgung, um altersbedingte Krankheitsbilder, um Unfälle, chirurgische Eingriffe und anderes mehr. Für die CDU-Kreistagsfraktion ergänzte CDU- Bundestagsabgeordneter Hans-Jürgen Irmer, dass Kliniken gerade im ländlichen Bereich zur sozialen Infrastruktur gehören. Für die Union seien Schließungen im Lahn-Dill-Kreis undenkbar.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte davor, dass die Wissenschaftler der Studie die „Zerstörung von sozialer Infrastruktur“ propagieren würden, denn der flächendeckende Zugang zur medizinischen Versorgung sei entscheidend. Die Ärztevereinigung Marburger Bund erklärte, dass die Krankenhäuser keine Profitcenter seien, sondern Teil der staatlichen Daseinsvorsorge. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach in diesem Kontext von einem Kahlschlag, der für die Menschen verheerend wäre. Und der Präsident der Bundesärztekammer wies darauf hin, dass gerade im ländlichen Raum die flächendeckende Versorgung der Patienten sichergestellt werden müsse. Gleiches fügte auch für die CDU- Landtagsfraktion der sozialpolitische Sprecher Ralf-Norbert Bartelt hinzu, der erklärte, dass für die Union in Hessen die wohnortnahe Basis- und Notfallversorgung im Mittelpunkt der Bemühungen stehe.

Wenig Verständnis erntete SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der sich anschickt, den Bundesvorsitz der SPD zu übernehmen, der erklärt hatte, dass Deutschland zu viele Krankenhäuser habe. Deshalb seien Schließungen richtig, allerdings eingeschränkt mit dem Hinweis, dass man ländliche Interessen berücksichtigen müsse.

Ist das Ergebnis der Bertelsmann-Studie möglicherweise von Vorteil für Bertelsmann?

Die Verflechtungen von Bertelsmann bzw. den Aktionären wie Familie Mohn in die Wirtschaft sind groß. Bertelsmann ist über seine „Tochter“ Arvato im Geschäft mit medizinischen IT-Systemen und elektronischen Gesundheitskarten. Dieses System heißt „Gematik“. Gematik bedeutet: Gesellschaft für Telematik-Anwendungen der Gesundheitskarte mbH. Arvato Systems GmbH hat auf der Bundesebene den Zuschlag für den Betrieb der zentralen TI (Telematikinfrastruktur) erhalten, und zwar für die nächsten acht Jahre.

Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann-Stiftung ist Dr. Brigitte Mohn, die zugleich Vorstandsmitglied der Rhön Klinikum AG ist. Eine Aktiengesellschaft, die in Deutschland Kliniken betreibt und im Jahr 2018 einen Gewinn von rund 50 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Ob es der großen Rhön Klinikum AG schadet, wenn die von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebene Krankenhausstudie zum Ergebnis kommt, dass rund 800 kleinere Häuser geschlossen werden sollten?

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Hans-Jürgen Irmer MdB